|
|
|
Tipp für aktive Zeitgenossen: wie man einen Pinguin klont 1. Man geht in den Zoo oder zum Südpol (warme Kleidung ist angebracht!) und nähert sich, einen Fisch oder Tintenfisch schwenkend, einer Schar Pinguine (Spheniscidae, Familie Flossentaucher). 2. Nun sagt man um das Gespräch zu beginnen «Ist immer so ein Sauwetter am Südpol?». Darüber können sich Pinguine tagelang unterhalten. 3. Dann versucht man herauszufinden, um welche der ca. 20 Arten Pinguine es sich handelt. Vom Klonen eines Brillenpinguins, also eines Wesens, das, wie ja auch die Zwergpinguine, bereits einen genetischen Schaden aufweist, würde ich eher abraten. Kaiserpinguine und Königspinguine mit ihrer doch sehr konservativ-royalistischen Gesinnung verschleudern nur viel Geld, sind arrogant und tragen nichts zum Fortschritt bei. Die Eselspinguine legen beim Schwimmen ein Tempo von bis zu 36 Stundenkilometern hin, was nur Leute billigen können, die gegen die Tempo 30-Initiative gestimmt haben; ausserdem schreien sie dauernd J-aaah und wirbeln mit ca. 200 Flügelschlägen pro Minute viel Staub auf. Humboldtpinguine wären ideal, aber man muss sich zuerst versichern, ob es sich um Alexander von Humboldt- oder Wilhelm von Humboldt-Pinguine handelt. Das ist sehr wichtig in bezug auf deren Einstellung zum Vorhaben. Schliesslich war Wilhelm v. H. der Begründer der vergleichenden Sprachwissenschaft und des Neuhumanismus, während Alexander v. H. (übrigens der Bruder von Wilhelm) Naturforscher war und mit seinem fünf-bändigen Hauptwerk «KOSMOS, Entwurf einer physischen Weltbeschreibung» den Geist der aufkommenden exakten Naturwissenschaften verkörperte. Die Frage stellt sich also: Humanismus oder Naturwissenschaften? 4. Man kann versuchen, eine Antwort auf diese Frage zu finden, indem man Vertreter dieser beiden Pinguin-Arten zu einer Konferenz einlädt, z.B. in Genf oder Wien (Zürich ist nicht zu empfehlen; die Stadt kommt nicht einmal für den Znüni-Kaffee von Konferenzteilnehmern auf, während Wien sogar zum Heurigen einlädt). Die Alex-Pinguine werden voraussichtlich sagen, dass erstens mit Klontechnik vieles verbessert werden kann, was heute im Argen liegt (Pinguine haben z.B. schwungfederlose Flügel, die nicht zum Fliegen taugen) und dass zweitens Klonen dem einzelnen Pinguin die Perpetuierung seines Lebens verheisse. Die Willi-Pinguine werden einwenden, dass erstens die Natur sich im Gegenteil räche, wenn man ihr ins Handwerk pfusche, dass zweitens beim Klonen mit Zellentkernung die Gefahr von schweren körperlichen Missbildungen bestehe. Und vielleicht wird ausserdem der Abkömmling einer Wilhelm v.H.-Pinguinmutter und eines Alexander v.H.-Pinguinvaters also so ein Einerseits-Anderseitspinguin feststellen, dass zwar das Erbgut eines Pinguins durchaus geklont werden kann, nicht aber seine Erfahrungen und seine Seele (sie befindet sich bei Pinguinen in der Bauchfalte, unter welcher sie ihre Eier ausbrüten). 5. Wenn man nach einer solchen Konferenz immer noch darauf beharren sollte, einen Pinguin zu klonen, dann sucht man sich am besten einen grossen, starken, freundlichen aus, verspricht ihm für die nächsten sieben Jahre pro Jahr 365 Pfund frische Fische (Tagesbedarf: 1 Pfund) und zusätzlich ewiges Leben. Ich möchte allerdings anfügen, dass ich selber nicht viel Sinn im Pinguine-Klonen ausmachen kann die sehen doch alle gleich aus und tun das gleiche, im Guten wie im Bösen. Also was soll's?
|
|
Auszüge aus schpoiz 7, August 2001: Leitartikel: Klonen ist geil ! von Stefan Haller Cartoon: Problemlösung kinderleicht von Schlorian Tipp für aktive Zeitgenossen: wie man einen Pinguin klont von Doris Morf |
| impressum home zurück |