Hat Arbeit noch Zukunft?

Wer arbeitet, hat Stress, zahlt Steuern und stirbt früher. Trotzdem werden jedes Mal Proteste laut, wenn ein Unternehmen in der Schweiz seine Fabriken schliesst.

Jeden Morgen fahren unzählige gähnende Frauen und Männer an ihren Arbeitsplatz, um neun Stunden später ebenso müde wieder zurückzukehren. Sie unterwerfen sich freiwillig Mobbing, Stress und Steuern und weihen die besten Jahre ihres Lebens einer Tätigkeit, deren Sinn sie nur selten einsehen. Ihre Pendlerbewegung verstopft Strassen, verursacht Unfälle und verpestet die Luft, ihre Belastung zerstört Freundschaften und Familien. Ein sinnloses Opfer!

Wer arbeitet bleibt arm
«Ich arbeite um Geld zu verdienen», ist eine häufige Entschuldigung, wenn man einen Arbeinehmer nach dem Grund seiner masochistischen Gewohnheit frägt. Studien belegen das Gegenteil: je länger und je härter man arbeitet, desto weniger verdient man. Eine Bergbäuerin verdient mit 60 Stunden schweisstreibender Arbeit weniger als ein Verwaltungsratssitzungsteilnehmer mit einer Stunde Kaffee trinken. Wer reich werden will kauft also besser Aktien, als seinen Körper und seine Psyche zu quälen. Aber warum arbeiten Herr und Frau Schweizer trotzdem? Es gibt wohl nur eine plausible Erklärung: zwanghaftes Suchtverhalten.

Den Ausstieg erleichtern
Weltbank, IWF, WTO und Schweizer Waffenfabrikanten scheuen keine Mühen, um Entwicklungsländer an ihrer Entwicklung zu hindern und damit billige Arbeitsplätze zu erhalten. Gleichzeitig opfern in Afrika und Lateinamerika Hunderttausende Aidskranke ihr Leben für die Erhaltung des Patentschutztes auf Medikamenten. Dies alles sind Investitionen, die über die Aktienmärkte in die Industrieländer zurückfliessen. Jede Schweizerin, jeder Schweizer ist eingeladen, davon zu profitieren.

Manchem Workaholic hilft aber nur noch die Schocktherapie: Verantwortungsvolle Unternehmer bauen seinen Arbeitsplatz ab und helfen ihm so, sein Verhalten zu überdenken und sich neu zu orientieren. Mit ihrem Engagement tragen sie gleichzeitig zu verbesserter Luftqualität und vermindertem Unfallrisiko bei.

Auszüge aus schpoiz 6, Mai 2001:

Leitartikel: Hat Arbeit noch Zukunft? von Stefan Haller

Cartoon: Früher – Heute von Joa

Comicstrip: Dr. Flächer von Schlorian

Tipp für aktive Zeitgenossen: wie man MillionärIn wird von Doris Morf

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